Uca Ruffatti - El Salvador

El Salvador ist ungefähr so groß wie Hessen und das kleinste Land Zentralamerikas. Es weist zugleich deren höchste Bevölkerungsdichte auf und liegt in einem Erdbebengebiet. Die sozialen Probleme des Landes sind nach dem Ende des Bürgerkrieges weiterhin groß, und aufgrund der rasenden Bandenkriminalität gilt El Salvador sogar als eines der gefährlichsten Länder der Welt. Die neoliberal geprägte Wirtschaftspolitik mit ihren Methoden der Privatisierung, Dollarisierung – in El Salvador wurde der US-Dollar als Landeswährung eingeführt – und Deregulierung haben tiefe Spuren hinterlassen und die Wirtschaft des Landes nachhaltig geprägt. Derzeit ist mehr als die Hälfte der arbeitsfähigen Bevölkerung unterbeschäftigt oder arbeitslos. Unter jungen Menschen ist die Arbeitslosenquote etwa doppelt so hoch wie unter Erwachsenen. Ca. 38 % der Bevölkerung leben nach giz-Angaben unter der Armutsschwelle von 2 US-Dollar pro Tag. In dieser Situation bleibt den betroffenen Menschen oft nur der Weg der Selbsthilfe und Selbstorganisation. Dafür hat sich auch das kleine Familienunternehmen Uca Ruffatti entschieden und sich mit ihrer innovativen Idee, Recyclingtaschen aus gebrauchten Reifenschläuchen herzustellen, eine neue wirtschaftliche Basis geschaffen

Der Familienbetrieb aus St. Ana wurde 1980 gegründet und stellte bis 2007 ausschließlich Lederwaren aus Leguanen-, Schlangen-, Eidechsen-, Kröten- und Fischhäuten her. Die Taschen und Portemonnaies waren damals sehr beliebt und verkauften sich sehr gut. Aber mit den Jahren wurde den Teammitgliedern bewusst, dass wenn sie so weiterarbeiten, würden ihre Tätigkeiten langfristig zum Aussterben dieser Tiere beitragen. Zugleich nahm auch die Konkurrenz an importierten Lederwaren aus Mexico und Brasilien mit den Jahren ständig zu, sodass die Aufträge immer weniger wurden und viele Angestellte entsprechend entlassen werden mussten. 

Mit der Beratung und Unterstützung von US AID, einer in den USA ansässigen NGO, konnte sich Uca Ruffatti neu orientieren und begann das Leder durch Recyclingmaterialien zu ersetzen. Ihre neuen nachhaltigen Produkte weckten sehr schnell großes Interesse und heute beschäftigt das Unternehmen 17 Personen unter sehr fairen Arbeitsbedingungen. Alle HerstellerInnen der Recyclingtaschen sind Angestellte von Uca Ruffatti und verfügen über langfristige Arbeitsverträge. Gute Löhne (das Doppelte bis Dreifache des nationalen Mindestlohnes) und die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben und Leistungen sind bei Uca Ruffatti selbstverständlich, und zinsfreie Kredite an die Angestellten werden sogar zusätzlich angeboten. Wenn sich die Auftragslage zwischendurch auf niedrigem Niveau befindet werden die Gehälter normal weiterbezahlt, die Zeit wird dann für die Designentwicklung oder Weiterbildungsmaßnahmen sinnvoll benutzt. 

Das Rohmaterial für die Taschen stammt von gebrauchten Reifen und Reifenschläuchen, die von Werkstätten abgeholt bzw. entlang der Straßenränder und von wilden Deponien aufgesammelt werden. Der Gummi wird gewaschen, geschnitten und schließlich für die Verarbeitung aufbereitet. Ob mit originalen ausgedienten Kaffeesäcken kombiniert oder ohne, sind die hochqualitative Taschen von Uca Ruffatti auf alle Fälle äußerst robust, aussergewöhnlich und sehr stilvoll!

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